Nicht Wissen macht nichts in der Fotografie oder die permanente Gegenwart als Hamsterrad

Faszinierendes Gedankenspiele und faszinierende Beobachtungen

Früher fing ein Mensch zu lernen an und entdeckte sein Lerngebiet. Je mehr gelernt wurde, desto mehr wurde entdeckt. Das waren fast immer Querschnitte. Dies bedeutet ich lerne immer mehr Vokabeln, um mich zu verständigen und diese zu nutzen. Ich schaue weniger darauf, wie die Sprache früher gesprochen wurde, das wäre ein Längsschnitt.

So ist das heute auch mit dem Fotografieren. Ich fange mit einer Kamera an und lerne die Bedienung und dann wie ich verschiedene Motive mit verschiedenen Gestaltungstechniken und unterschiedlichen Kameras und Objektiven nutze. Wenn ich dabei bei aktuellem Equipment bleibe und nur Techniken erlerne, dann ist dies ein Querschnitt.

Wer so denkt und handelt könnte z.B. eine Webseite wie dokumentarfotografie.com für völlig überflüssig halten. Damit wäre dieser Mensch völlig in der permanenten Gegenwart, wenn er nicht wissen will,

  • wieso es heute diese Technik gibt,
  • warum so gedacht und gesehen wird wie es aktuell ist und
  • wenn es reicht, einfach nur das zu tun, was einem gerade in den Sinn kommt.

Da ist kein Bewußtsein für Raum und Zeit und soziale Zusammenhänge.

Das fängt auch in der Fotografie erst mit dem Längsschnitt an.

Wer mehr wissen will,

  • wer Zusammenhänge von Wissen und Anwendung im sozialen Leben sehen will,
  • wer seine eigene Existenz auf dieser Welt zwischen Lebenszeit und
  • sozialer Welt mit Kultur und Religion verstehen will, der braucht mehr.

Die permanente Gegenwart reicht nicht aus, wenn die Fotografie mehr sein soll als die Nutzung eines Apparates.

Wenn ich damit die Welt entdecken will, die aus mehr besteht als Landschaftsaufnahmen mit immer neuen Sensoren und Objektiven, dann schaffe ich mit dem Fotoapparat und den Fotos direkt eine Auseinandersetzung zwischen Gegenwart und Geschichte.

Sobald ich ein Foto gemacht habe ist der Moment vorbei. Es ist geschehen, es ist Geschichte. Wenn ich dann auf den Moment in Form eines Fotos blicke, dann ist er in der Gegenwart zu sehen aber vorbei.

Damit beginnt die Unterscheidung zwischen vergangen und noch nicht vorbei.

Und hier ist die Schwelle, die überschritten werden muß, wenn man mehr wissen und verstehen will und Fotografie und der Umgang damit Teil des eigenen Lebens wird. Das ist das Land von dokumentarfotografie.com und anderen Plätzen im Internet.

Wer über mehrere Jahre Soziales (nicht social) fotografiert mit Sinn und Verstand und sich die Themen und Aufnahmen nach einiger Zeit anschaut, der sieht dann die Veränderungen oder auch das, was immer noch da ist.

Damit ermöglicht die Fotografie einen Umgang mit Zeit und Lebenszeit, den kein anderes Medium so zu bieten hat, es sei denn Videos in anderer Form.

Und wenn man dann schaut, was andere vorher gemacht haben, wird es besonders interessant und man kann auch noch was lernen, weil auch fotografisch aus sich selbst heraus wenig entsteht.

Man muß zwar nichts wissen, um zu fotografieren im Sinne von abdrücken. Man kann sich selbst zum Mittelpunkt der Welt erklären und so tun als ob man das Rad erfunden hat. Aber was darauf zu sehen ist, weckt meistens kein Interesse oder nur als Bestandteil der gerade stattfindenden visuellen Kommunikation, die sich im Aufgenommenen als Bestandteil einer Konversation erschöpft.

Und es geschieht besonders oft im Bereich der Streetfotografie /Straßenfotografie / Street Photography. Da fängt man dann heute mit einem Blog an oder einem Account und erklärt dann, warum die eigenen Fotos die besten sind. Soweit kann man das ja tun und die social media Accounts leben ja davon.  Wettbewerbe unter seines/ihresgleichen fördern dann diese Einstellung. Es gilt nur das Foto, das gerade aufgenommen wurde mit der neusten Kamera und das ist das Kriterium für „gut.“

Aber sobald man sich in ein Verhältnis zu Menschen und Fotos setzt, die dies früher so oder anders gemacht haben, hat man eine Schwelle überschritten und die Maßstäbe verändern sich, wenn es um Wirkung und Aussage auf einem Foto geht:

  • Andere Technik ermöglicht(e) ein anderes Fotografieren,
  • heute ist nun wirklich nicht alles besser aber manches schon und
  • welchen Sinn hat das, was ich tue?

So kann man dem Hamsterrad in der Fotografie entkommen und seinen eigenen fotografischen Weg finden. Aber auch das Hamsterrad kann der eigene Weg sein.

Es kommt eben darauf an, wozu ich mich entscheide.

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